So misst du richtig
Die Messpunkte entscheiden über das Ergebnis. Schon zwei Zentimeter Unterschied beim Bauchumfang verschieben den berechneten Körperfettanteil spürbar. Halte dich deshalb genau an diese Schritte:
- Zeitpunkt: Miss morgens vor dem Frühstück. Über den Tag verändern Mahlzeiten und Flüssigkeit den Bauchumfang.
- Vorbereitung: Miss auf unbekleideter Haut. Lege das Maßband waagerecht an, straff anliegend, aber ohne einzuschneiden. Zieh den Bauch nicht ein und atme normal aus, bevor du abliest.
- Hals (Männer und Frauen): Direkt unterhalb des Kehlkopfs messen, das Maßband leicht nach vorn unten geneigt.
- Bauch (Männer): Auf Nabelhöhe messen, in entspannter Haltung.
- Taille (Frauen): An der schmalsten Stelle des Rumpfs messen, meist etwas oberhalb des Bauchnabels.
- Hüfte (Frauen): An der breitesten Stelle über dem Gesäß messen.
- Kontrolle: Miss jede Stelle zweimal und nimm den Mittelwert. Für die Verlaufskontrolle immer exakt dieselben Stellen verwenden.
Die Formel: US-Navy-Methode
Die Methode stammt von Hodgdon und Beckett (Naval Health Research Center, 1984). Sie schätzt aus Körperumfängen und Größe zunächst die Körperdichte (BD). Alle Werte werden in Zentimetern eingesetzt:
Männer: BD = 1,0324 - 0,19077 × log10(Bauch - Hals) + 0,15456 × log10(Größe)
Frauen: BD = 1,29579 - 0,35004 × log10(Taille + Hüfte - Hals) + 0,22100 × log10(Größe)
Aus der Körperdichte ergibt sich der Körperfettanteil mit der Siri-Formel: KFA % = 495 ÷ BD - 450. Ein Beispiel: Ein Mann mit 180 cm Größe, 38 cm Halsumfang und 90 cm Bauchumfang kommt auf eine Körperdichte von etwa 1,0536 und damit auf rund 19,8 % Körperfett.
Einordnung: Körperfettanteil-Tabelle nach ACE
Der American Council on Exercise (ACE) teilt den Körperfettanteil bei Erwachsenen in diese Kategorien ein. Frauen liegen naturgemäß höher, weil ihr Körper mehr essenzielles Fett benötigt:
| Kategorie | Frauen | Männer |
|---|---|---|
| Essenzielles Fett | 10 bis 13 % | 2 bis 5 % |
| Athletisch | 14 bis 20 % | 6 bis 13 % |
| Fit | 21 bis 24 % | 14 bis 17 % |
| Durchschnitt | 25 bis 31 % | 18 bis 24 % |
| Erhöht | ab 32 % | ab 25 % |
Die Kategorie „Erhöht" bedeutet: Der Wert liegt über dem Durchschnittsbereich. Das ist eine Einordnung zur Orientierung und keine gesundheitliche Bewertung. Was für dich persönlich passt, hängt auch von Alter und Trainingszustand ab.
Wie genau ist die Maßband-Methode?
In Vergleichsstudien weicht die Umfangsmethode typischerweise um 3 bis 4 Prozentpunkte von Referenzmethoden wie der DXA-Messung ab. Bei sehr muskulösen Menschen überschätzt sie den Körperfettanteil oft, bei stark übergewichtigen Personen wird sie ebenfalls unzuverlässiger. Nimm das Ergebnis deshalb als Orientierung und nicht als Laborwert. Für die Praxis zählt vor allem der Verlauf: Wenn du alle paar Wochen unter denselben Bedingungen misst, zeigt dir die Entwicklung zuverlässig die Richtung an, auch wenn der Absolutwert um ein paar Punkte danebenliegen kann.
KFA statt BMI: wann der Körperfettanteil mehr aussagt
Der BMI setzt nur Gewicht und Größe ins Verhältnis und kann nicht zwischen Muskel- und Fettmasse unterscheiden. Der Körperfettanteil schon: Eine muskulöse Person mit BMI 27 kann einen völlig unauffälligen KFA haben. Wer es einfacher mag, findet im BMI-Rechner auch den Taille-zu-Größe-Check als schnellen Indikator für Bauchfett. Der KFA hat noch einen praktischen Nutzen: Mit ihm lässt sich der Grundumsatz nach der Katch-McArdle-Formel genauer schätzen, weil sie mit der fettfreien Masse rechnet statt mit dem Gesamtgewicht. Das kannst du direkt in unserem Grundumsatz-Rechner ausprobieren. Und wenn du dir professionelle Begleitung wünschst, zeigt dir der Ratgeber Kosten der Ernährungsberatung, was eine Beratung kostet und wann die Krankenkasse sich beteiligt.