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Die Harris-Benedict-Formel: Original 1919 und Revision 1984

Kurz gesagt: Die Harris-Benedict-Formel schätzt den Grundumsatz aus Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht. Sie existiert in zwei Fassungen, die unterschiedliche Zahlen liefern: das Original auf Basis der Daten von 1919 und die Revision von Roza und Shizgal aus dem Jahr 1984. Für einen 50-jährigen Mann mit 70 kg und 1,70 m ergibt das 1.542 gegenüber 1.558 kcal pro Tag.

Der Rechner zeigt beide Fassungen getrennt an, dazu die Mifflin-St-Jeor-Formel von 1990 als dritten Wert. Welche Koeffizienten dabei zum Einsatz kommen, steht unter jedem Ergebnis und noch einmal im Quellenabschnitt. Alles wird direkt in deinem Browser gerechnet, kostenlos und ohne Anmeldung.

Geschlecht

Alle drei Werte sind Schätzungen aus Regressionsformeln und keine Messung, keine Diagnose und keine medizinische oder diätetische Beratung. Roza und Shizgal geben für die Harris-Benedict-Gleichungen eine Genauigkeit von plus/minus 14 Prozent an, ihre 95-Prozent-Grenzen liegen bei plus/minus 213 kcal pro Tag (Männer) und plus/minus 201 kcal (Frauen). Die Formeln wurden an gesunden Erwachsenen abgeleitet und gelten nicht für Kinder und Jugendliche, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei stark abweichender Körperzusammensetzung; bei Mangelernährung bezeichnen Roza und Shizgal die Gleichungen ausdrücklich als unzuverlässig. Bei Erkrankungen, Schwangerschaft oder Essstörungen gehört die Energiezufuhr in ärztliche oder therapeutische Begleitung. Deine Eingaben bleiben im Browser, sie werden weder gespeichert noch übertragen.

Wenn du nur eine einzige Zahl brauchst

Für den Grundumsatz mit der heute empfohlenen Formel nimm den Grundumsatz-Rechner. Für deinen Tagesbedarf inklusive Bewegung, Arbeit und Sport rechnet der Kalorienbedarf-Rechner den Aktivitätsfaktor gleich mit ein. Diese Seite hier ist für alle da, die wissen wollen, was hinter dem Namen Harris-Benedict steckt.

Vom Rechenwert zum Alltag

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Woher die Harris-Benedict-Formel kommt

James Arthur Harris und Francis Gano Benedict arbeiteten am Nutrition Laboratory der Carnegie Institution of Washington. Im Dezember 1918 stellten sie ihre Auswertung in den Proceedings of the National Academy of Sciences vor, 1919 folgte die vollständige Monografie. Ihre Datenbasis: die Ruheumsätze von 136 Männern und 103 Frauen, gemessen per indirekter Kalorimetrie. Aus diesen Messungen leiteten sie Regressionsgleichungen ab, mit denen sich der Grundumsatz aus Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht schätzen lässt. Roza und Shizgal nennen diese Arbeit 1984 rückblickend eine klassische Monografie; ihre Gleichungen stecken bis heute in Ernährungsrechnern.

Die Originalfassung auf Basis der Daten von 1919

Männer 66,473 + 5,003 × Größe (cm) + 13,752 × Gewicht (kg) − 6,755 × Alter (Jahre)
Frauen 655,096 + 1,850 × Größe (cm) + 9,563 × Gewicht (kg) − 4,676 × Alter (Jahre)

Das Ergebnis ist der Grundumsatz in kcal pro Tag. Diese Koeffizienten sind hier so übernommen, wie Roza und Shizgal sie 1984 in Tabelle 3 ihrer Arbeit als Gleichung 1 und Gleichung 4 abdrucken. Im Netz kursieren Varianten mit vier Nachkommastellen, etwa 66,4730 statt 66,473 oder 13,7516 statt 13,752. Bei realistischen Eingaben liegt der Unterschied unter einem kcal und spielt für das Ergebnis keine Rolle. Größer ist der Ärger mit Rechnern, die eine ganz andere Zahlenreihe verwenden und nicht dazuschreiben, welche.

Die Revision von Roza und Shizgal (1984)

Männer 88,362 + 4,799 × Größe (cm) + 13,397 × Gewicht (kg) − 5,677 × Alter (Jahre)
Frauen 447,593 + 3,098 × Größe (cm) + 9,247 × Gewicht (kg) − 4,330 × Alter (Jahre)

Allan M. Roza und Harry M. Shizgal rechneten am Royal Victoria Hospital in Montreal die Originaldaten neu durch und nahmen zusätzliche Messreihen dazu, die Benedict 1928 und 1935 veröffentlicht hatte. Damit stieg die Stichprobe auf 168 Männer und 169 Frauen, und der Altersbereich wurde breiter. Aus dieser Neuberechnung stammen die Koeffizienten oben. In ihrer Arbeit sind es die Gleichungen 3 und 6 in Tabelle 3.

Ein Nebeneffekt der Revision: Der Alterskoeffizient bei Männern sank von 6,755 auf 5,677, das Alter zieht den Wert also schwächer nach unten. Ältere Männer kommen mit der revidierten Fassung deshalb auf höhere Werte als mit dem Original, jüngere auf niedrigere. Bei Frauen zeigt der Alterskoeffizient in dieselbe Richtung, von 4,676 auf 4,330, dort wirkt aber vor allem der viel niedrigere Grundterm von 447,593 statt 655,096 gegen den größeren Größenkoeffizienten von 3,098 statt 1,850.

Welche Fassung steckt in einem Rechner?

Viele Rechner schreiben nur „Harris-Benedict“ und lassen offen, welche der beiden Zahlenreihen dahintersteckt. Das lässt sich mit einer Probe klären. Gib männlich, 50 Jahre, 1,70 m, 70 kg ein und lies den Grundumsatz ab:

  • 1.542 kcal bedeutet Originalfassung von 1919.
  • 1.558 kcal bedeutet Revision von Roza und Shizgal.
  • 1.518 kcal bedeutet Mifflin-St-Jeor, also gar kein Harris-Benedict.

Die ersten beiden Werte stehen so in der Arbeit von Roza und Shizgal: Ihre Tabelle 4 rechnet genau diesen Fall vor und kommt auf 1542 und 1558 kcal pro Tag. Damit lässt sich jeder Rechner gegen die Primärquelle prüfen, auch dieser hier.

Harris-Benedict oder Mifflin-St-Jeor?

Mifflin, St Jeor und Kollegen maßen 1990 den Ruheumsatz von 498 gesunden Personen im Alter von 19 bis 78 Jahren, 264 davon normalgewichtig und 234 mit Adipositas. Ihre Gleichung lautet in der vereinfachten, nach Geschlecht getrennten Form:

Männer 10 × Gewicht (kg) + 6,25 × Größe (cm) − 5 × Alter (Jahre) + 5
Frauen 10 × Gewicht (kg) + 6,25 × Größe (cm) − 5 × Alter (Jahre) − 161

Die Originalarbeit nennt daneben eine gemeinsame Gleichung mit den Koeffizienten 9,99 für das Gewicht und 4,92 für das Alter. Die Autoren halten selbst fest, dass die Vereinfachung und die Trennung nach Geschlecht den Vorhersagewert nicht verändern; dieser Rechner nutzt daher die vereinfachte Form, wie der Rest der Seite auch. In derselben Arbeit schätzten die Harris-Benedict-Gleichungen den gemessenen Ruheumsatz im Mittel um 5 Prozent zu hoch.

Den Ausschlag für die heutige Empfehlung gab eine systematische Übersicht: Frankenfield, Roth-Yousey und Compher prüften 2005 im Auftrag der American Dietetic Association, die heute Academy of Nutrition and Dietetics heißt, die vier gängigsten Schätzformeln gegeneinander. Mifflin-St-Jeor traf den gemessenen Ruheumsatz bei mehr Personen auf 10 Prozent genau als jede andere geprüfte Gleichung und hatte die engste Fehlerspanne. Seitdem ist sie in der Ernährungsberatung der Standard. Die Autoren schreiben allerdings dazu, dass ältere Menschen und ethnische Minderheiten in den zugrunde liegenden Studien unterrepräsentiert waren und die Schätzung im Einzelfall daneben liegen kann.

Dieselbe Person, drei Formeln, drei Ergebnisse

Wie weit die drei Gleichungen auseinanderliegen, hängt von Alter, Geschlecht und Statur ab. Vier Beispiele, alle mit denselben Funktionen gerechnet wie der Rechner oben:

Person Original 1919 Revision 1984 Mifflin-St-Jeor Spannweite
Frau, 30 Jahre, 1,65 m, 60 kg 1.394 kcal 1.384 kcal 1.320 kcal 74 kcal (5,6 %)
Frau, 55 Jahre, 1,68 m, 75 kg 1.426 kcal 1.423 kcal 1.364 kcal 62 kcal (4,5 %)
Mann, 30 Jahre, 1,80 m, 80 kg 1.865 kcal 1.854 kcal 1.780 kcal 85 kcal (4,7 %)
Mann, 50 Jahre, 1,70 m, 70 kg 1.542 kcal 1.558 kcal 1.518 kcal 41 kcal (2,7 %)

Zwischen höchstem und niedrigstem Wert liegen in diesen vier Fällen 41 bis 85 kcal am Tag, höchstens 5,6 Prozent. Das bleibt unter der Streuung einer einzelnen Formel, die Roza und Shizgal mit plus/minus 14 Prozent beziffern. Für die Praxis heißt das: Die Wahl der Formel entscheidet weniger als die Frage, ob du das Ergebnis über einige Wochen an deinem Gewichtsverlauf überprüfst.

Vom Grundumsatz zum Gesamtumsatz

Der Grundumsatz beschreibt den Verbrauch in völliger Ruhe. Dein tatsächlicher Tagesbedarf kommt heraus, wenn du ihn mit dem Aktivitätsfaktor PAL multiplizierst (physical activity level). Der Rechner oben macht das auf Wunsch für alle drei Formeln gleichzeitig.

PALAlltag
1,2Sitzend, kaum Bewegung (z. B. Bürojob ohne Ausgleich)
1,375Leicht aktiv (Bewegung oder Sport 1 bis 3 Tage pro Woche)
1,55Moderat aktiv (Sport oder körperliche Arbeit 3 bis 5 Tage pro Woche)
1,725Sehr aktiv (intensiver Sport 6 bis 7 Tage pro Woche)
1,9Extrem aktiv (körperlich harte Arbeit plus tägliches Training)

Der komfortablere Weg für den Alltagswert führt über den Kalorienbedarf-Rechner, der Grundumsatz und Aktivität in einem Schritt zusammenbringt. Wer nur den Ruheverbrauch braucht, ist beim Grundumsatz-Rechner richtig. Wie du den Bedarf auf Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate aufteilst, zeigt der Makro-Rechner.

Häufige Fragen zur Harris-Benedict-Formel

Wie lautet die Harris-Benedict-Formel genau?

Es gibt zwei Fassungen. Original auf Basis der Daten von 1919, Männer: 66,473 + 5,003 × Größe in cm + 13,752 × Gewicht in kg − 6,755 × Alter in Jahren; Frauen: 655,096 + 1,850 × Größe + 9,563 × Gewicht − 4,676 × Alter. Revision von Roza und Shizgal 1984, Männer: 88,362 + 4,799 × Größe + 13,397 × Gewicht − 5,677 × Alter; Frauen: 447,593 + 3,098 × Größe + 9,247 × Gewicht − 4,330 × Alter. Das Ergebnis ist der Grundumsatz in kcal pro Tag.

Was ist der Unterschied zwischen dem Original und der revidierten Formel?

Roza und Shizgal haben 1984 die Rohdaten von Harris und Benedict neu ausgewertet und zusätzliche Messreihen von Benedict aus den Jahren 1928 und 1935 einbezogen. Damit wuchs die Stichprobe von 136 auf 168 Männer und von 103 auf 169 Frauen, und der Altersbereich wurde breiter. Aus dieser Neuberechnung stammen die anderen Koeffizienten. Bei einem 50-jährigen Mann mit 70 kg und 1,70 m steht das Original bei 1.542 kcal und die Revision bei 1.558 kcal pro Tag, ein Unterschied von rund einem Prozent.

Welche Fassung benutzt dieser Rechner?

Beide, nebeneinander und beschriftet. Die Koeffizienten sind so übernommen, wie Roza und Shizgal sie 1984 in Tabelle 3 ihrer Arbeit abdrucken: Gleichung 1 und 4 für die Fassung von 1919, Gleichung 3 und 6 für die Revision. Als dritten Wert zeigt der Rechner die Mifflin-St-Jeor-Formel von 1990.

Ist die Harris-Benedict-Formel noch aktuell?

Sie wird weiter benutzt, gilt aber als überholt. Mifflin und Kollegen fanden 1990 an 498 Personen, dass die Harris-Benedict-Gleichungen den gemessenen Ruheumsatz im Mittel um 5 Prozent zu hoch schätzen. Die systematische Übersicht von Frankenfield und Kollegen von 2005 kam zu dem Ergebnis, dass die Mifflin-St-Jeor-Formel den Ruheumsatz bei mehr Personen auf 10 Prozent genau trifft als jede andere geprüfte Gleichung und die engste Fehlerspanne hat.

Warum empfiehlt die Academy of Nutrition and Dietetics Mifflin-St-Jeor?

Weil die Empfehlung auf einer Evidenzauswertung beruht, die die vier gängigsten Formeln gegeneinander geprüft hat: Harris-Benedict, Mifflin-St-Jeor, Owen und WHO/FAO/UNU. Frankenfield, Roth-Yousey und Compher veröffentlichten diese Auswertung 2005 im Journal der American Dietetic Association, die heute Academy of Nutrition and Dietetics heißt. Mifflin-St-Jeor schnitt darin am zuverlässigsten ab. Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass ältere Menschen und ethnische Minderheiten in den Validierungsstudien unterrepräsentiert sind.

Wie genau ist die Harris-Benedict-Formel?

Roza und Shizgal geben für normal ernährte Personen eine Genauigkeit von plus/minus 14 Prozent an. Die 95-Prozent-Grenzen ihrer Regression liegen bei plus/minus 213 kcal pro Tag bei Männern und plus/minus 201 kcal bei Frauen. Für mangelernährte Patientinnen und Patienten bezeichnen sie die Gleichungen ausdrücklich als unzuverlässig.

Wie komme ich von der Harris-Benedict-Formel zum Gesamtumsatz?

Multipliziere den Grundumsatz mit deinem Aktivitätsfaktor PAL. Ein Bürojob ohne sportlichen Ausgleich liegt bei etwa 1,2, ein Alltag mit Sport an drei bis fünf Tagen pro Woche bei etwa 1,55. Der Rechner auf dieser Seite macht das auf Wunsch für alle drei Formeln gleichzeitig, damit du siehst, wie sich die Formelwahl auf den Tagesbedarf durchschlägt.

Gilt die Harris-Benedict-Formel auch für Kinder oder in der Schwangerschaft?

Nein. Alle drei Formeln auf dieser Seite wurden an erwachsenen, gesunden Personen abgeleitet. Für Kinder und Jugendliche, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei stark abweichender Körperzusammensetzung sind sie nicht gedacht. Den Energiebedarf klärst du in diesen Fällen ärztlich oder in einer Ernährungstherapie.

Quellen

  • Harris JA, Benedict FG: A Biometric Study of Human Basal Metabolism. Proceedings of the National Academy of Sciences 1918; 4(12): 370-373 (Kurzmitteilung zur Monografie „A Biometric Study of Basal Metabolism in Man“, Carnegie Institution of Washington, Publication No. 279, 1919). PMC1091498
  • Roza AM, Shizgal HM: The Harris Benedict equation reevaluated: resting energy requirements and the body cell mass. American Journal of Clinical Nutrition 1984; 40(1): 168-182. Verwendete Koeffizienten: Tabelle 3, Gleichung 1 und 4 (Fassung auf Basis der Daten von 1919) sowie Gleichung 3 und 6 (Revision); Probe 70 kg, 1,70 m, 50 Jahre aus Tabelle 4; Genauigkeitsangabe plus/minus 14 Prozent. PubMed 6741850
  • Mifflin MD, St Jeor ST, Hill LA, Scott BJ, Daugherty SA, Koh YO: A new predictive equation for resting energy expenditure in healthy individuals. American Journal of Clinical Nutrition 1990; 51(2): 241-247 (n = 498; vereinfachte Form je Geschlecht; Harris-Benedict überschätzte den gemessenen Ruheumsatz um 5 Prozent). PubMed 2305711
  • Frankenfield D, Roth-Yousey L, Compher C: Comparison of predictive equations for resting metabolic rate in healthy nonobese and obese adults: a systematic review. Journal of the American Dietetic Association 2005; 105(5): 775-789 (Evidenzauswertung der heutigen Academy of Nutrition and Dietetics). PubMed 15883556
  • FAO/WHO/UNU: Human energy requirements. Report of a Joint Expert Consultation, Rom 2004 (PAL-Konzept). Die Stufeneinteilung 1,2 bis 1,9 folgt der in der Ernährungsmedizin gängigen Praxis und entspricht der Einteilung im Kalorienbedarf-Rechner dieser Seite; die D-A-CH-Referenzwerte von DGE, ÖGE und SGE spannen den PAL-Bereich von 1,2 bis 2,4 auf.